Unsere Spurensuche geht zu Ende – Projekt Blickkontakt sagt „Auf Wiedersehen“

Das Projekt BlickkontaktDreieinhalb Monate sind seit unserem Projektstart vergangen und nun geht das Semester schon wieder zu Ende. Gleichzeitig heißt dies auch Abschied nehmen. Unser Projekt Blickkontakt neigt sich dem Ende entgegen. Gestartet sind wir mit einer Aufgabe: Wir sollten uns auf Spurensuche durch die eigene Familiengeschichte begeben. Für uns zwölf Studierende der Jade Hochschule in Wilhelmshaven war diese Suche eine spannende Reise. Wir haben von unseren engsten Verwandten völlig neue Seiten kennengelernt. Sie ließen uns an ihren bewegendsten Augenblicken als Flüchtlinge teilhaben. Für uns selbst war es eine emotionale Erfahrung. Wir haben über unsere Familien Neues gelernt oder sogar Verwandte durch das Projekt zum allerersten Mal getroffen.

Doch wir waren nicht nur fleißige Interviewer, sondern vielseitig aktiv. Unsere Spendenaktion im April war ein großer Erfolg. Am Ende reichte sogar fast unser Bulli für den Transport der Spenden nicht. Mit so einer Hilfsbereitschaft hatten wir nicht gerechnet.

Für unseren Stand bei der Internationalen Woche an der Jade Hochschule warfen wir einen Blick in „Omas Rezepte“ und lockten viele Besucher zum Probieren typischer Speisen aus Schlesien oder der DDR an. Im Mai gingen wir dann unter die Radiojournalisten. Zwei Stunden lang führten wir durch das Programm von Radio Jade mit eigenen Beiträgen zum Thema Flucht.

Der Höhepunkt und das Highlight unseres Projektes war aber zweifelsfrei unsere Lesung in der Wilhelmshavener Suedlounge, bei der wir die Geschichten aus unseren Familien präsentieren durften. Uns ist es gelungen zu zeigen, dass das Thema Flucht uns alle angeht und wir nachdenken sollten, bevor wir über Flüchtlinge urteilen. Ein Abend mit einer tollen Atmosphäre, den wir alle wohl so schnell nicht vergessen werden.

Die Arbeit im Team verlief sehr harmonisch. Wir haben nicht nur etwas über unsere Familien gelernt, sondern auch über Projektarbeit. Es gab stressige Situationen, die auch mal Durchhaltevermögen gefordert haben. Doch letztendlich haben wir immer an einem Strang gezogen und sind eine gut funktionierende Gruppe geworden.

Hiermit möchten wir uns von euch verabschieden und Danke für das Interesse an unserem Projekt und unseren Aktionen sagen. Unser Blog geht damit erst einmal zu Ende. Wir freuen uns aber natürlich weiterhin über Besuche und „Blickkontakt“.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Bericht der Lesung

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Fotos: Sebastian Preiß

Auf der kleinen Bühne stehen ein grün gepolsterter Stuhl und ein alter, grüner gemütlicher  Sessel. Davor ein Mikrofon. Mittels eines Beamers werden alte Fotos und Zitate an die weiße Wand im Hintergrund projiziert. Auf Stuhl und Sessel sitzen zwei Studierende unseres Projektes und lesen die Geschichte eines Ehepaares, das aus der DDR geflohen ist. Die Zuhörer hängen gebannt an ihren Lippen.

Es ist vollbracht! Am Abend des 8. Juni 2016 hat unsere Lesung stattgefunden, auf die wir im Rahmen unseres Projektes das ganze Semester hingearbeitet haben.

Die Suedlounge ist hergerichtet und wir sind bereit. Langsam trudeln die Gäste ein, suchen sich einen Platz und blättern interessiert in den ausliegenden Infobroschüren. Kurz vor Beginn der Lesung stimmt Livemusik die rund 50 Besucher auf das Folgende ein. Dann ist es soweit. In kleiner gemütlicher Runde, mit leichtem Wohnzimmerfeeling werden die Fluchtgeschichten vorgelesen, die fast alle aus unserem privaten Umfeld stammen. Insgesamt sieben Geschichten erzählen von der Flucht aus der DDR, Schlesien oder – als aktuelles Beispiel – aus Syrien. Dabei ist jede einzelne Geschichte einzigartig emotional erzählt und zieht jeden Besucher in ihren Bann.
Allen wird hier vor Augen geführt, dass schon in der Vergangenheit viele Menschen ihre Heimat verlassen mussten. Dabei hat jeder während seiner Flucht andere Erlebnisse und Erfahrungen gemacht. Für jeden einzelnen war und ist es schlimm seine Heimat, sein Zuhause und seinen Besitz zurückzulassen, nur das Nötigste einzupacken und eine beschwerliche Reise anzutreten, ohne zu wissen, was einen erwarten wird.

Für uns war das Projekt eine Bereicherung. Wir sind tief in die eigenen Familiengeschichten eingetaucht und haben die Fluchtgeschichten ganz nah erlebt. Im Kontext der aktuellen Flüchtlingsdebatte wollten wir darstellen, dass Flucht uns alle angeht, auch wenn wir nicht direkt betroffen sind. Und das ist uns bei der Lesung gelungen. Wir haben eine Brücke gebaut zwischen den Flüchtlingen früher und den Flüchtlingen heute.

Wir freuen uns, dass wir unsere gewonnenen Erkenntnisse im Rahmen der Lesung teilen konnten. Es war für alle ein sehr emotionaler Abend und insgesamt ein gelungener Abschluss für das Projekt Blickkontakt.

Alle Geschichten sind zum Nachlesen hier auf dem Blog zu finden.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Wie kann ich helfen?

Wenn man sich die aktuelle Flüchtlingskrise anguckt, bekommt man schnell das Gefühl, selber gerne etwas tun zu wollen. Doch wie funktioniert das? Was kann man eigentlich tun, um Flüchtlingen zu helfen?

Wir möchten euch hier einen kleinen Überblick geben.

Eine einfache Möglichkeit, aktiv zu werden ist eine Spende. Sowohl Sach- als auch Geldspenden werden immer benötigt. In vielen Städten gibt es Vereine oder Organisationen, die Flüchtlingen helfen. In Wilhelmshaven ist das zum Beispiel die Flüchtlingshilfe Wilhelmshaven.

Sucht man den direkten Kontakt zu Flüchtlingen und möchte gerne Deutschunterricht geben oder zum Beispiel Flüchtlingen bei Behördengängen unterstützen, so ist ebenfalls die Flüchtlingshilfe vor Ort eine gute erste Anlaufstelle. Die Flüchtlingshilfe Wilhelmshaven sucht immer noch nach Leuten, die beispielsweise bei der Ausgabe von Spenden helfen.

Verschiedene Landes- und Bundesweite Initiativen geben außerdem im Internet einen Überblick über mögliche Ansprechpartner. Die unabhängige deutsche Menschenrechtsorganisation „Pro Asyl“ setzt sich unter anderem für Flüchtlinge in Deutschland und Europa ein. Auf einer interaktiven Karte sind Vereine, die sich für Flüchtlinge einsetzen, in ganz Deutschland aufgelistet.

Die Seite „wie-kann-ich-helfen.info“ hat einen großen FAQ-Bereich, auf der sie Fragen rund um das Thema Hilfe für Flüchtlinge beantwortet.

In Niedersachsen gibt es einen Flüchtlingsrat, der auf seiner Internetseite ebenfalls viele Kontaktadressen in den verschiedenen Städten und Landkreisen gesammelt hat, zum Beispiel von Behörden und Beratungsstellen.

Hat man Wohnraum, den man Flüchtlingen anbieten möchte, wird die Sache etwas komplizierter. Einen guten ersten Überblick mit Ansprechpartnern und Dingen, die es zu beachten gilt, gibt es unter https://www.proasyl.de/wp-content/uploads/2015/12/Infopapier-Fluechtlinge_privat_aufnehmen-PROASYL-Nov-2014.pdf .

Auch als Student gibt es Möglichkeiten, aktiv zu werden. An der Jade Hochschule gibt es beispielsweise ein Programm, bei dem man ausländischen Studierenden beim Deutsch lernen helfen kann. Ansprechpartner ist hier das International Office.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Das International Office der Jade Hochschule bietet Programme für Geflüchtete an

Andrea Menn ist Leiterin des International Office an der Jade Hochschule. Seit eineinhalb Jahren befasst sie sich mit der Frage, was das International Office für Flüchtlinge tun kann. Dafür wurden bereits zahlreiche Maßnahmen und Aktivitäten in diesem Bereich entwickelt. Ihre Mitarbeiterin Svenja Renner betreut die Flüchtlinge ebenfalls seit über einem Jahr.

Die Programme für die Geflüchteten bestehen aus verschiedenen Angeboten. Am Anfang stehen Beratungen. Desweiteren gibt es das sogenannte „Integra-Programm“, in dem es darum geht, junge Menschen, die bereits in ihrem Heimatland studiert haben, wieder in das Studiensystem zu integrieren. Dafür sind drei Maßnahmen besonders wichtig: Zum einen müssen die Geflüchteten sehr gut Deutsch lernen. Zum anderen muss man sie hier mit den interkulturellen Unterschieden vertraut machen. Im letzten Schritt geht es darum, die Studierenden mit Fluchthintergrund auf die Praxiskomponenten des stark praxisorientierten Studiums aufmerksam zu machen und einzuarbeiten.

Zusätzlich gibt es Angebote, die speziell auf die soziale Integration abzielen. Im sogenannten „Buddy-Programm“ wird den Geflüchteten, wie der Name schon andeutet, ein „Buddy“, also ein neuer Freund vermittelt. Dieser „Buddy“ ist Ansprechpartner und Helfer, wenn es darum geht Deutschkenntnisse aufzuholen oder zum Beispiel Behördengänge zu tätigen. Durch dieses Programm werden unter anderem Geflüchtete sozial abgefangen, deren Studienbeginn sich aufgrund von mangelnden Sprachkenntnissen noch verzögert. „Da sind natürlich auch die Studierenden der Jade Hochschule gefragt, die jetzt eben schon hier sind und da tätig werden könnten.“, erklärt Svenja Renner.

Zu Anfang des Zusammentreffens mit den Geflüchteten im International Office, findet häufig zunächst eine Bildungsberatung statt. Das heißt, den Geflüchteten wird erklärt, wie das Bildungssystem hier funktioniert, was man für Qualifikationen und Kompetenzen mitbringen muss und was es bedeutet, ein deutsches Abitur zu haben. Dementsprechend reagieren die Geflüchteten laut Svenja Renner oft mit Grundsatzfragen, wie: „Was will ich überhaupt machen? Worum geht es in meinem Studiengang? Trau ich mir das zu? Aus welchem Grund fange ich an, einen bestimmten Studiengang zu studieren?“ Darüber hinaus sind die Reaktionen auf die Angebote des International Office sehr positiv, da die Geflüchteten sich aufgehoben fühlen, wenn man ihnen einen Ansprechpartner bietet und sie zu internationalen Abenden und anderen Veranstaltungen einlädt und sie teilhaben lässt.

Andrea Menn gibt zur Anzahl der geflüchteten Studierenden an der Jade Hochschule an: „Wir haben einmal die Leute, die wir in der Beratung haben, das sind zurzeit rund 100, die einen Fluchthintergrund haben und dann gibt es eingeschriebene Studierende, da wird aber nicht erhoben. Wir können nur erkennen, dass die Zahlen der Studenten, die aus Syrien zum Beispiel kommen, stark angestiegen sind.“

Fragt man Andrea Menn, was ihr an dem Programm des International Office besonders wichtig ist, erzählt sie von einem Syrer, der Arabisch-Lehrer ist und in ihre Beratung kam. Dieser Mann möchte einen kostenlosen Arabisch-Kurs für alle Interessenten anbieten. Das International Office wird dieses Angebot bald publizieren und möchte mit dem Kurs ab kommenden Juli starten. Interessant könnte der Kurs für diejenigen sein, die generell Interesse an der arabischen Sprache haben oder sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Andrea Menn erzählt, dass der Syrer sagte: „Ich möchte auch kein Geld dafür haben, ich möchte einfach was zurückgeben, von dem, was ich von Deutschland erhalten habe.“ Dieser Satz hat sie berührt und in dem, was sie und ihre Mitarbeiter für die Geflüchteten leisten, noch mehr bestätigt.

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Sprechtraining im Theater lockt uns aus der Reserve

Acht Medienprojektler fanden sich vergangenen Dienstag gegen Abend eines sehr heißen Sommertages an der Landesbühne ein, um von Theaterregisseurin Carola Unser in die Untiefen der Stimmbeherrschung eingeführt zu werden. Denn für unsere anstehende Lesung in der Suedlounge wollen wir natürlich bestens gewappnet und vorbereitet sein.

Trotz anhaltend schwüler Wärme tauten einige Teilnehmer zu Beginn des Trainings nur sehr allmählich auf. Carola war in ihrem Element und wurde nicht müde, uns den perfekten Stimmsitz, ein vibrierendes Brummen und das lautstarke Verscheuchen einer Fliege näher zubringen.

Die Gruppe der Studierenden schwankte anfangs noch stark zwischen fehlender Überwindung und ehrlichem Interesse an den Übungen der Theaterregisseurin, doch fand immer mehr hinein in das extra für uns organisierte Sprechtraining.

Carola weiß, worauf es beim Präsentieren von etwas oder auch sich selbst ankommt – und gab es mit Hilfe verschiedenster Lehrmethoden im Crash-Kurs-Format an uns weiter. So fanden wir heraus, wie wir unsere Stimme vor wichtigen Vorträgen aufwärmen. „Stellt euch vor, auf dem Schuh eures Gegenübers sitzt eine Fliege und die wollt ihr vertreiben!“, inszeniert sie, worauf alle acht Teilnehmer merkwürdige Geräusche von sich gaben und die imaginären Fliegen mit dem Finger durch den Raum verfolgten.

Wir korrigierten Aussprache, Lesefluss, Körperhaltung – und das alles in weniger als zwei Stunden. Das Eis schmolz von Übung zu Übung etwas mehr, sodass wir uns einig waren, ein gelungenes und lustiges Sprechtraining erlebt zu haben. Im Hinblick auf die Lesung am Mittwoch hat es uns in jedem Fall mit einigen wichtigen Tipps versorgt, die wir uns zu Herzen nehmen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Blick in leuchtende Kinderaugen

Flüchtlingshilfe kümmert sich um Migranten in Wilhelmshaven

Wer schon einmal in der Grenzstraße 24 zu Gast war, wird sich vorgekommen sein wie in einem Kaufhaus. Kleidung für Groß und Klein, Töpfe, Pfannen, Gläser, Spielzeug und, und, und. Doch in der Halle im Jadezentrum geht es nicht um einen großen Umsatz, sondern schlichtweg darum anderen zu helfen. Die Wilhelmshavener Flüchtlingshilfe hat sich dies zur Aufgabe gemacht. Das „Kaufhaus“ ist die Kleiderkammer des ehrenamtlichen Vereins, der sich im August 2015 gegründet hat.

Vorstandsmitglied Martina ist durch eine emotionale Begegnung zur Flüchtlingshilfe gekommen: „Ich war selbst nur zum Spenden da und traf eine geflüchtete alte Dame, die sich so über meine gespendete Wolle gefreut hat. Das hat mich so berührt, dass ich unbedingt auch mithelfen wollte.“
Auch ihre Vorstandskollegin Renate kam eher zufällig zu ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit. Die 72-jährige wurde von ihrer Tochter überredet: „Sie meinte ich hätte doch genug Zeit, um mich engagieren zu können. Ich wollte zuerst eigentlich nur Spenden abgeben und war dann irgendwie sofort drin“, erzählt sie lachend. „Je mehr man involviert ist, umso mehr Zeit nimmt man sich auch. Es ist einfach ein tolles Gemeinschaftsgefühl.“

In den ersten Monaten war der Verein noch an zwei Standorten ansässig. Doch die Räumlichkeiten wurden schnell zu klein für die vielen Spenden. Auch um den Helfern ihre Arbeit zu erleichtern wurden Spendenannahme, Lagerung und Ausgabe an einem zentralen Ort zusammengelegt. So kann konkreter Bedarf sofort aus dem Lager ausgegeben werden.
Aktuell sind rund 50 freiwillige Helfer für den Verein im Einsatz. Dabei werden die Aufgaben so verteilt, dass es für jeden passt. „Jeder kann so lange bei uns mithelfen, wie er möchte, und muss auch nur das machen, was er möchte. Wer also zum Beispiel nur eine Stunde in der Woche Zeit hat, ist trotzdem herzlich willkommen“, sagt Martina.

Wenn Flüchtlinge zum ersten Mal in die Kleiderkammer kommen, dann müssen zunächst einmal Papiere vorgelegt werden. Anschließend bekommen die Geflüchteten eine sogenannte „Friseurkarte“, auf der zunächst die Namen und der erste Besuch in der Kleiderkammer vermerkt werden. Außerdem wird notiert, wann sie weitere Spenden abholen können. „Wenn die Flüchtlinge dann eine Wohnung zugeteilt bekommen, kommen sie nochmal zu uns und erhalten eine Grundausstattung. Wir liefern große Dinge nach Bedarf auch direkt in die Wohnungen“, erklärt Renate.

Der Kontakt zu den geflüchteten Menschen macht den Helfern viel Freude. Zu den Ausgabetagen kommen zwischen 70 und 150 Menschen. „Die sind alle sehr bescheiden und trauen sich meist gar nicht so viel anzunehmen. Gerade Kindern geben wir meist mehr Spielzeug mit, als sie sich nehmen würden. Es ist toll die leuchtenden Kinderaugen zu sehen, die sich über so wenig schon so freuen“, beschreibt die Rentnerin.
Durch die Grenzschließungen in ganz Europa kommen auch weniger Flüchtlinge nach Wilhelmshaven. „Der Bedarf bei denen, die bereits hier sind, ist aber weiterhin groß“, erklärt sie. „Viele benötigen jetzt vor allem Ausstattung für ihre Wohnung.“ Daher freut sich die Flüchtlingshilfe aktuell besonders über Töpfe und Pfannen, verschiedene Teller und Küchenhelfer, wie zum Beispiel Kellen und Pfannenwender.

Die Arbeit der Ehrenamtlichen genießt bei den Wilhelmshavener Bürgern großes Ansehen. „Wir hatten vor wenigen Wochen sogar Schüler zum Zukunftstag bei uns. Die waren alle sehr interessiert, an dem was wir hier tun“, sagt Martina.
Neben der Kleiderkammer bietet die Einrichtung noch einen Deutschkurs an. Auch bei Veranstaltungen in der Stadt ist die Flüchtlingshilfe präsent. Im Juni gibt es einen Stand beim Theaterfestival der Landesbühne. „Unter dem Titel „Erzählräume“ werden Flüchtlinge von ihren Erfahrungen und Geschichten berichten. Das schafft bestimmt nochmal neue Einblicke“, hofft Martina.

Die Ablehnung gegenüber den Flüchtlingen, die es in den letzten Monaten immer öfter gegeben hat, können die Helfer in der Flüchtlingshilfe nicht nachvollziehen. „Man muss sich einmal in die Situation dieser Menschen hineinversetzen. Jeder sollte großes Verständnis haben, denn was die Flüchtlinge auf ihrem Weg zu uns erlebt haben, ist menschlich sehr schlimm“, findet Renate. „Es ist schön, dass wir den Menschen hier bei uns helfen können, sich wieder zu öffnen.“

Die Kleiderkammer der Flüchtlingshilfe bietet die ganze Woche über verschiedene Möglichkeiten sich zu engagieren und ist für die Geflüchteten aktiv: Freitags können zwischen 11 und 16 Uhr Spenden abgegeben werden. Die Kleiderausgabe findet dienstags von 13 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 15 Uhr und samstags von 9 bis 14 Uhr statt. Zum Kleidersortieren treffen sich die Helfer montags und mittwochs von 9 bis 13 Uhr, sowie donnerstags von 17 bis 20 Uhr.
Für alle ambitionierten Mithelfer listet der Verein die Dinge, die aktuell benötigt werden, auf der eigenen Facebook-Seite auf. Wer selbst aktiv mithelfen möchte, kann sich jederzeit bei der Flüchtlingshilfe melden.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Flucht aus der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR -Republikflucht

Foto_DDR

Von der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) am 7. Oktober 1949 bis 1989 verließen ungefähr 3,5 Millionen Menschen die DDR. Nur eine halbe Million davon waren legale Ausreisende, das heißt in dieser Zeit befanden sich drei Millionen Menschen auf der Flucht. Man kann folglich von einem Massenphänomen sprechen. Etwa 1.000 Menschen kostete die Flucht aus der DDR das Leben. An die 400.000 Bürger kehrten in die DDR zurück.

Zu den Fluchtmotiven in den Westen gehörten mangelnde Meinungs- und Reisefreiheit, eingeschränkte berufliche Möglichkeiten und die schlechte Wirtschaftslage in der DDR an sich, sowie Benachteiligungen aufgrund kirchlicher Aktivitäten oder politischer Verfolgung.

Das Verlassen der DDR oder ihres Vorläufers, der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), ohne staatliche Genehmigung wurde im allgemeinen Sprachgebrauch als „Republikflucht“ betitelt.

Am 11.12.1957 erließ die Volkskammer, die vom 7. Oktober 1949 bis zum 2. Oktober 1990 das Parlament und nominell das höchste Verfassungsorgan der DDR war, das sogenannte „Paßgesetz“. Dieses beinhaltete die Konsequenz von bis zu drei Jahren Haft oder einer Geldstrafe für Flüchtlinge, die keine Genehmigung hatten das Territorium der DDR zu verlassen oder sich unter falschen Angaben eine Erlaubnis einräumen ließen.

Dennoch blieb die Flucht aus der DDR nicht aus. Als Verschärfung des „Paßgesetzes“ wurde den DDR-Bürgern im Gesetz zur Ergänzung des Strafgesetzbuches (Strafrechtsergänzungsgesetz) vom 11. Dezember 1957 bei Verleitung zum Verlassen der DDR mit einer Zuchthausstrafe gedroht. Elf Jahre später wurde der neu erschaffene Tatbestand des ungesetzlichen Grenzübertritts im Strafgesetzbuch mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet.

DDR-Bürger durften nur in andere sozialistische Länder wie die Sowjetunion, Polen oder Bulgarien reisen. Das von der DDR als feindlich kapitalistisch propagierte Ausland konnte man häufig nur im Rahmen von Dienstreisen und seltener von Familienangelegenheiten, wie Hochzeiten oder Todesfällen, besuchen. Ein allgemeines Recht auf Ausreise in das nicht-sozialistische Ausland („NSA“) war von 1961 bis 1989 nicht gegeben. Erst ab dem Jahr 1983 entstand eine rechtliche Grundlage, auf die man sich stützen konnte, um eine Ausreise in den Westen zu beantragen. Die Bundesrepublik Deutschland hatte dazu einen Milliardenkredit bewilligt. Eine Ausnahme stellten Rentner da, die für mehrere Wochen ins westliche Ausland, zu den Verwandten in West-Berlin oder in die Bundesrepublik Deutschland reisen durften. Sie waren für die DDR aus wirtschaftlicher Sicht entbehrlich, da sie keinen Verlust an Arbeitskräften darstellten.

Zu Zeiten der illegalen Ausreise aus der DDR war die Geheimhaltung der Flucht ein großes Thema. Wusste jemand von einer geplanten Flucht und meldete dies nicht der Polizei, machte sich die Person strafbar. Damit waren Gewissenskonflikte vorprogrammiert. Familienmitglieder oder gute Freunde von Geflüchteten hatten häufig unter Konsequenzen zu leiden. Man befragte sie hinsichtlich einer Mitwisserschaft oder überwachte sie sogar. Die Auswirkungen waren so erheblich, dass die Zurückgebliebenen sogar ihren Arbeitsplatz verlieren konnten.

Für die Flüchtlinge und ihre Fluchthelfer bot sich das Risiko der Festnahme, Inhaftierung, Verletzung und sogar Tötung an den Grenzübergängen.

Wem es dennoch gelang in den Westen über zu reisen, kam in Aufnahmelager wie dem bekannten Notaufnahmelager Marienfelde im damaligen West-Berlin.

Das Massenphänomen dieser Flüchtlingsströme war demzufolge mit vielen Risiken und Ängsten verbunden, aber eine Ankunft im Westen war nicht unmöglich.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Gestrandet auf dem Viktoria-Platz

Unser Projekt blickt auf die aktuelle Flüchtlingssituation in Griechenland

DSC00323

Über 40 Grad im Sommer, bestes Badewetter und kilometerlange Strände; für viele Deutsche bleibt das krisengeschüttelte Griechenland ein Urlaubsparadies. Für viele Flüchtlinge ist es derweil das erste Land auf dem sie europäischen Boden betreten. Allein im Juni 2015 erreichten täglich rund 600 Geflohene die griechischen Mittelmeer-Inseln um Lesbos und Kos – so die Zahlen des Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen.

Spätestens seit dem vergangenen Sommer erlangt Athen nicht nur durch Pleiten und Pannen mediales Interesse: Tausende Flüchtlinge nutzen die Stadt als Durchreisestation auf dem Weg in den Norden Europas. Aus der Türkei und über das Mittelmeer kommend, stranden sie schließlich auf den zentralsten Plätzen der griechischen Hauptstadt. Am Viktoria-Platz patrouilliert noch im Dezember täglich die Polizei. Bestehend aus Pappkartons und Personenzelten hat sich direkt neben der Metro-Station der „grünen Linie“ ein eigenes Flüchtlingscamp gebildet.

Rund 20 Kilometer vom Viktoria-Platz und dem Athener Zentrum entfernt befindet sich die Hafengemeinde Piräus. Gegenüber von Pier E1 herrscht hektisches Treiben. Am Schalter der „Blue Star“-Fähre stehen viele frisch angekommene Flüchtlinge. Pässe werden kontrolliert, Mütter sitzen mit ihren Babys erschöpft im überfüllten Warteraum. Sie alle kommen von den griechischen Inseln und wollen nach Deutschland. Ein schwedischer Helfer weist einer Familie den bereitgestellten Bus zu – der fährt zunächst in Athens Innenstadt. Direkt neben ihm steht eine Schar Urlauber. Sie kommen aus Deutschland und sie wollen auf die griechischen Inseln.

In der Redaktion der deutschsprachigen Griechenland Zeitung laufen zur selben Zeit die Kommentarfunktionen der Internetauftritte über. Viele Posts enthalten Verständnis für die Situation der Fliehenden, beinahe ebenso viele Unverständnis, einige Beleidigungen. Eine Nutzerin zeigt sich besorgt: Ihr Urlaub auf Lesbos viel nicht wie gewohnt aus. Statt makelloser Strände fand sie am Meer vor allem kaputte Rettungswesten und an Land liegende Holzboote. Ob die nicht jemand wegräumen könne?

In Athen gibt es mittlerweile Aufnahmelager für Flüchtlinge, einige leer stehende Gebäude werden zusätzlich als Unterkünfte bereitgestellt. Im August vergangenen Jahres sah das noch anders aus: Da diente der zentral gelegene Ares-Park als kurzfristiges Zuhause für zahlreiche Syrer, Afghanen und andere Nationalitäten. Kurze Zeit später wurde dieses Provisorium geschlossen. Der Grund: Das Leben der Flüchtlinge wurde dort als ein Aufenthalt unter „menschenunwürdigen Bedingungen“ eingestuft.

Bleiben möchte im historischen Athen von den Geflohenen sowieso niemand. Mit Hab und Gut und dennoch spärlichem Gepäck warten sie darauf, dass ein Bus sie weiterbringt. Nach Schweden oder nach Deutschland. Auf der Flucht für mehr Sicherheit, für mehr Bildung und für ein besseres Leben.

Am Athener Flughafen Eleftherios Venizelos landen da schon die nächsten Flieger aus Deutschland. Von Bord strömen gepäckbeladene Touristen für ein paar sonnige Stunden auf den griechischen Inseln.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Soziale Netzwerke in der Flüchtlingskrise sind Fluch und Segen zugleich

Besonders soziale Netzwerke helfen Flüchtlingen auf ihrem Weg durch die verschiedenen Länder. Menschen, die bereits in Deutschland angekommen sind, schicken Angehörigen und Freunden Kartenmaterial über Whatsapp. Smartphones sind kein Ausdruck von Luxus für die Flüchtlinge, sondern vielmehr eine Verbindung zu Heimat und Familie, Navigator, sowie Kommunikations- und Informationswerkzeug.

Viele nutzen auch Facebook, um sich mit aktuellen Informationen zu versorgen, etwa über offene Grenzen, Boote und Länder, die noch bereit sind, Flüchtende aufzunehmen.

Doch nicht nur für die Reisenden haben diese Informationen einen großen Wert. Werden die Gruppen auf Facebook zu bekannt, mischen sich unter die Mitglieder dort auch Grenzschützer. Aus diesem Grund haben die virtuellen Gruppen nur eine Lebensdauer von etwa zwei Monaten.

Viele suchen in sozialen Netzwerken auch nach Schleppern, die sie über die Grenzen bringen. Ihre Dienste bekommt man für 900 bis 2000 Dollar.

Das Smartphone dient darüber hinaus als Echtzeit-Informationsquelle, in welchen Ländern Flüchtlinge besonders gut aufgenommen und versorgt werden können. Dass Deutschland so beliebt ist, kann zum Teil an den in sozialen Netzwerken kursierenden Bildern der Aufnahmelager liegen, die in vergleichsweise gutem Zustand sind. Was sich ebenfalls in der virtuellen Welt schnell verbreitet, sind die berühmten Selfies mit der Kanzlerin. Sie zeigen Flüchtlingen, die noch auf dem Weg sind, dass sie in Deutschland willkommen sind.

Die Schattenseite der sozialen Medien in der Flüchtlingskrise: Fake-News, vorzugsweise von Asylgegnern, verbreiten sich wie Lauffeuer und werden von zu vielen für bare Münze genommen – was eine gefährliche Hasswelle auslöst. Bis heute tauchen immer mehr Posts auf, die Flüchtlingen unterstellen zu klauen und Frauen zu vergewaltigen. Es gleicht einer regelrechten Hetze, die News werden rasend schnell geteilt, sodass man die Falschmeldungen gar nicht mehr aus dem Netz bekommt. Doch selbst wenn die falschen Botschaften gelöscht werden, haben sie sich in rasend schneller Zeit bereits in den Köpfen der Menschen festgesetzt.

Doch genauso wie negative Botschaften erfunden werden, gibt es andererseits auch fiktive Nachrichten, die einen positiven Ton haben. So wurden zum Beispiel Fotos, die junge Männer mit Geld in der Hand zeigten, von anderen Webseiten kopiert und dazu neue Nachrichten geschrieben.

Die Methoden, eine bestimmte Meinung in der Öffentlichkeit zu forcieren, sind mittlerweile sehr perfide geworden. So sollte jeder Nutzer der sozialen Medien sich stets über die wachsende Zahl von Fake-Nachrichten im Klaren sein und diese immer mit einer Zweitquelle auf Richtigkeit überprüfen. Damit kann man sich ein ausschließlich faktisches Bild der aktuellen Lage machen und wird nicht von solchen oder solchen Geschichten beeinflusst.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Deutschland als Zufluchtsland – Flüchtlingsströme seit dem 2. Weltkrieg

Die Flüchtlingskrise der letzten Monate hat viele von uns in Deutschland überfordert. So viele Menschen aus Ländern, die wir nicht kennen, die eine Sprache sprechen, die wir nicht verstehen. Diese Überforderung hat sich leider bei vielen in Ablehnung gegenüber Flüchtlingen entwickelt. Sehr viele Deutsche vergessen dabei aber, dass unsere Vorfahren selbst geflohen sind. Gleichzeitig ist die Migrationsbewegung Richtung Deutschland nicht völlig neu. In der jüngeren Geschichte unseres Landes seit dem 2. Weltkrieg hat es einige solcher Flüchtlingsströme gegeben.

Die Zuwanderungsbewegung nach Deutschland wird seit 1953 erfasst. Bis zum Beginn der aktuellen Welle kamen seitdem rund 3,3 Millionen Menschen nach Deutschland. In den ersten zehn Jahren (bis 1963) war der Flüchtlingsstrom in der Bundesrepublik mit rund 2000 bis 3000 Asylbewerbern pro Jahr annähernd konstant.

Ab 1964 stieg die Flüchtlingszahl in Deutschland stetig an: 1980 stieg sie auf 107.818 Flüchtlinge und erreichte 1992 mit 438.191 Menschen den bislang höchsten Stand. Danach nahm der Flüchtlingsstrom wieder stetig ab. Im Jahr 2000 kamen noch 117.648 Menschen und 2007 wurde mit einer Zahl von 30.303 Asylbewerbern der niedrigste Stand erreicht.
Bis 2010 nahm die Anzahl der Flüchtlinge mit 48.589 dann wieder stetig zu. Die Herkunftsländer der Flüchtlinge nach Deutschland waren im Zeitraum 1986 bis 1994 vor allem die Türkei sowie die ehemaligen Ostblockländer: Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die Nachfolgestaaten von Jugoslawien. Mit dem Beitritt der Länder zur EU kam der Flüchtlingsstrom aus diesen Ländern zum Erliegen.

Insgesamt lassen sich die Jahrzehnte der Flüchtlingswellen in unterschiedliche Perioden einteilen: Nach dem zweiten Weltkrieg kamen von 1945 bis 1950 die Heimatvertriebenen nach Deutschland. Von 1955 bis 1973 war die große Zeit der Gastarbeiter, die mit ihren Familien kamen und vielfach auch bis heute geblieben sind.
Von etwa 1975 bis 1985 stammten die meisten ankommenden Flüchtlinge aus Vietnam. Da viele aus ihrer Heimat den gefährlichen Weg mit einem Schiff auf sich nahmen, wurden diese Flüchtlinge auch „Boat People“ genannt. Nach Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall der Sowjetunion kamen im Zeitraum von 1990 bis 1995 viele Menschen aus dem ehemaligen Ostblock und dem Balkan.

Das Jahr 2015 fügt sich nun neu in diese Reihe der Flüchtlingsperioden ein. Auch wenn aktuell aufgrund der Grenzschließungen in Europa nicht mehr so viele Menschen nach Deutschland kommen, kann noch nicht genau gesagt werden, wie lange die Zuwanderungswelle diesmal anhalten wird.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar