Flüchtlingshilfe kümmert sich um Migranten in Wilhelmshaven
Wer schon einmal in der Grenzstraße 24 zu Gast war, wird sich vorgekommen sein wie in einem Kaufhaus. Kleidung für Groß und Klein, Töpfe, Pfannen, Gläser, Spielzeug und, und, und. Doch in der Halle im Jadezentrum geht es nicht um einen großen Umsatz, sondern schlichtweg darum anderen zu helfen. Die Wilhelmshavener Flüchtlingshilfe hat sich dies zur Aufgabe gemacht. Das „Kaufhaus“ ist die Kleiderkammer des ehrenamtlichen Vereins, der sich im August 2015 gegründet hat.
Vorstandsmitglied Martina ist durch eine emotionale Begegnung zur Flüchtlingshilfe gekommen: „Ich war selbst nur zum Spenden da und traf eine geflüchtete alte Dame, die sich so über meine gespendete Wolle gefreut hat. Das hat mich so berührt, dass ich unbedingt auch mithelfen wollte.“
Auch ihre Vorstandskollegin Renate kam eher zufällig zu ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit. Die 72-jährige wurde von ihrer Tochter überredet: „Sie meinte ich hätte doch genug Zeit, um mich engagieren zu können. Ich wollte zuerst eigentlich nur Spenden abgeben und war dann irgendwie sofort drin“, erzählt sie lachend. „Je mehr man involviert ist, umso mehr Zeit nimmt man sich auch. Es ist einfach ein tolles Gemeinschaftsgefühl.“
In den ersten Monaten war der Verein noch an zwei Standorten ansässig. Doch die Räumlichkeiten wurden schnell zu klein für die vielen Spenden. Auch um den Helfern ihre Arbeit zu erleichtern wurden Spendenannahme, Lagerung und Ausgabe an einem zentralen Ort zusammengelegt. So kann konkreter Bedarf sofort aus dem Lager ausgegeben werden.
Aktuell sind rund 50 freiwillige Helfer für den Verein im Einsatz. Dabei werden die Aufgaben so verteilt, dass es für jeden passt. „Jeder kann so lange bei uns mithelfen, wie er möchte, und muss auch nur das machen, was er möchte. Wer also zum Beispiel nur eine Stunde in der Woche Zeit hat, ist trotzdem herzlich willkommen“, sagt Martina.
Wenn Flüchtlinge zum ersten Mal in die Kleiderkammer kommen, dann müssen zunächst einmal Papiere vorgelegt werden. Anschließend bekommen die Geflüchteten eine sogenannte „Friseurkarte“, auf der zunächst die Namen und der erste Besuch in der Kleiderkammer vermerkt werden. Außerdem wird notiert, wann sie weitere Spenden abholen können. „Wenn die Flüchtlinge dann eine Wohnung zugeteilt bekommen, kommen sie nochmal zu uns und erhalten eine Grundausstattung. Wir liefern große Dinge nach Bedarf auch direkt in die Wohnungen“, erklärt Renate.
Der Kontakt zu den geflüchteten Menschen macht den Helfern viel Freude. Zu den Ausgabetagen kommen zwischen 70 und 150 Menschen. „Die sind alle sehr bescheiden und trauen sich meist gar nicht so viel anzunehmen. Gerade Kindern geben wir meist mehr Spielzeug mit, als sie sich nehmen würden. Es ist toll die leuchtenden Kinderaugen zu sehen, die sich über so wenig schon so freuen“, beschreibt die Rentnerin.
Durch die Grenzschließungen in ganz Europa kommen auch weniger Flüchtlinge nach Wilhelmshaven. „Der Bedarf bei denen, die bereits hier sind, ist aber weiterhin groß“, erklärt sie. „Viele benötigen jetzt vor allem Ausstattung für ihre Wohnung.“ Daher freut sich die Flüchtlingshilfe aktuell besonders über Töpfe und Pfannen, verschiedene Teller und Küchenhelfer, wie zum Beispiel Kellen und Pfannenwender.
Die Arbeit der Ehrenamtlichen genießt bei den Wilhelmshavener Bürgern großes Ansehen. „Wir hatten vor wenigen Wochen sogar Schüler zum Zukunftstag bei uns. Die waren alle sehr interessiert, an dem was wir hier tun“, sagt Martina.
Neben der Kleiderkammer bietet die Einrichtung noch einen Deutschkurs an. Auch bei Veranstaltungen in der Stadt ist die Flüchtlingshilfe präsent. Im Juni gibt es einen Stand beim Theaterfestival der Landesbühne. „Unter dem Titel „Erzählräume“ werden Flüchtlinge von ihren Erfahrungen und Geschichten berichten. Das schafft bestimmt nochmal neue Einblicke“, hofft Martina.
Die Ablehnung gegenüber den Flüchtlingen, die es in den letzten Monaten immer öfter gegeben hat, können die Helfer in der Flüchtlingshilfe nicht nachvollziehen. „Man muss sich einmal in die Situation dieser Menschen hineinversetzen. Jeder sollte großes Verständnis haben, denn was die Flüchtlinge auf ihrem Weg zu uns erlebt haben, ist menschlich sehr schlimm“, findet Renate. „Es ist schön, dass wir den Menschen hier bei uns helfen können, sich wieder zu öffnen.“
Die Kleiderkammer der Flüchtlingshilfe bietet die ganze Woche über verschiedene Möglichkeiten sich zu engagieren und ist für die Geflüchteten aktiv: Freitags können zwischen 11 und 16 Uhr Spenden abgegeben werden. Die Kleiderausgabe findet dienstags von 13 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 15 Uhr und samstags von 9 bis 14 Uhr statt. Zum Kleidersortieren treffen sich die Helfer montags und mittwochs von 9 bis 13 Uhr, sowie donnerstags von 17 bis 20 Uhr.
Für alle ambitionierten Mithelfer listet der Verein die Dinge, die aktuell benötigt werden, auf der eigenen Facebook-Seite auf. Wer selbst aktiv mithelfen möchte, kann sich jederzeit bei der Flüchtlingshilfe melden.
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